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Elchtest
Als Elchtest (Fahrdynamik-Test) wird ein Fahrmanöver bezeichnet, der das Ausweichen vor einem plötzlich auf die Straße tretenden Elch simuliert, ein in Skandinavien durchaus realistisches Szenario. Mit dem Test wird die Fahrstabilität von Pkw geprüft. Mit Geschwindigkeiten zwischen etwa 50 km/h und 80 km/h wird ungebremst ein Spurwechsel nach links und, nach einer kurzen Geradeausstrecke, ein Spurwechsel nach rechts gefahren. Das Fahrzeug sollte dabei weder ausbrechen noch seitlich umkippen. In Schweden hieß der Elchtest ursprünglich Kindertest.
Der Elchtest bietet auf Grund seiner großen, konstanten Gassenbreiten einen weiten Spielraum für die Lenkstrategie des Fahrers. Der VDA hat deshalb einen Ausweichtest entworfen, bei dem die Gassenbreiten von der Fahrzeugbreite abhängig sind. Weiter ist die Gaswegnahme in der ersten Gasse vorgeschrieben. Dieses Manöver wurde inzwischen unter der Bezeichnung 'VDA-Spurwechseltest' in die internationale Norm ISO 3888-2 übernommen.[1] Es ist Bestandteil der Erprobung der Fahreigenschaften neuer Fahrzeuge. Mit einem speziellen Ladeaufsatz wird der Elchtest teilweise auch bei LKWs durchgeführt.
Ein mit ESP ausgerüstetes Fahrzeug ist bei Ausweichtests wie dem Elchtest wesentlich stabiler als ein Fahrzeug ohne ESP. Von November 2011 an müssen alle neuen Pkw- und Nutzfahrzeugmodelle, die in der Europäischen Union zugelassen werden, mit ESP ausgerüstet sein. Ab 2014 gilt dies für alle Neufahrzeuge, auch wenn die Baureihe selbst schon seit einigen Jahren auf dem Markt ist.
Alternativ wird mit dem Begriff Elchtest auch ein Kollisionstest des Fahrzeugs mit einem (simulierten) Elch bezeichnet. Saab Automobile und Volvo führen solche Tests durch, um die Stabilität der A-Säule und des Dachs gegenüber einem aufschlagenden Elch sicherzustellen.
Geschichte
Der Begriff Elchtest erhielt einen hohen Bekanntheitsgrad, als am 21. Oktober 1997 ein Fahrzeug vom Typ „Mercedes-Benz Baureihe 168“ (damals das jüngste Produkt der Daimler-Benz AG) bei einem Test in Schweden auf die Seite kippte und schließlich auf dem Dach liegenblieb. Als Konsequenz baute Daimler-Benz serienmäßig das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) ein – damals ein Novum außerhalb der Luxusklasse.[2] Der Ruf der A-Klasse war zunächst trotzdem angeschlagen.
Tests mit anderen PKW
Die Tageszeitung Thüringer Allgemeine führte 1997 den Elchtest mit einem Trabant 601 durch, dieser bestand den Test bei 75 km/h.[3]
Ein weiteres Beispiel ist der Dacia Logan, der den Elchtest im Juli 2005 zunächst augenscheinlich nicht bestanden hatte. Es handelte sich jedoch nicht um den genormten Elchtest, sondern um einen Fahrversuch des ADAC. Die Abstände zwischen den Spurwechseln wurden erhöht und die Geschwindigkeit wurde erhöht, was zum teilweisen Ablaufen des Reifens von der Felge und dadurch zum Umkippen führte. Im Nachhinein stellte sich dieser Test als nicht aussagekräftig heraus, da die Reifen des betroffenen Fahrzeugs bereits von verschiedenen vorhergehenden extremen Tests beschädigt waren.
Im Oktober 2005 wurde, wie die schwedische Zeitschrift Teknikens Värld berichtete, der BMW E60 im schwedischen Bromma getestet und zeigte ein Ausbrechen des Hecks. Dies wurde von BMW als planmäßig spätes Eingreifen des ESP gewertet.
Im Juni 2007 kippte der Land Rover Defender, ein Klassiker, der seit über 60 Jahren gebaut wird. Ursachen dafür waren sein hoher Schwerpunkt und das Fehlen von ESP.
Der ADAC führt einen eigenen Ausweichtest durch, der mit höheren Geschwindigkeiten befahren werden kann.[4] Im Jahr 2010 wurden die drei fast baugleichen Fahrzeuge Citroën Nemo, Peugeot Bipper und Fiat Qubo mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h getestet. Der Nemo kippte beim Test mit 80 km/h um.[5] Citroen sagte sofort zu, die Fahrzeuge ab Herbst / Winter 2010 mit ESP auszurüsten. Der Qubo, der beim Test das optional erhältliche ESP besaß, bestand den Test auch bei 90 km/h. Aus Sicherheitsgründen wurde der Test am Peugeot Bipper nicht mehr durchgeführt.
Seit 1999 ist der Citroën Xantia Activa V6 der Rekordhalter beim Elchtest der Teknikens Värld mit einer Geschwindigkeit von 85 km/h. Er platziert sich damit, trotz fehlendem ESP, vor Fahrzeugen wie dem Porsche 911 GT3 oder Audi R8.[6]
Insbesondere Straßenfahrzeuge mit hochliegendem Schwerpunkt können aufgrund ihrer Höhe (Kleintransporter, Geländewagen, SUVs, Vans und Minivans) bei extremen Fahrmanövern um ihre Längsachse kippen (= auf die Seite fallen). Dies hat physikalische Gründe und ist deshalb unabhängig von Hersteller und Preis.
Normen und Standards
- ISO 3888-2 (VDA-Spurwechseltest).
Weblinks
- Burkhard Straßmann: "Der Elchtester" – Artikel in der Zeit 2/1998 über den Autotester Robert Collins und den „Elchtest“ von 1997
- Hermann Winner: Mercedes und der Elch: Die perfekte Blamage" - Physikalische Betrachtungen über den Elchtest der A-Klasse In: Die Welt, 20. Oktober 2007
- Stichtag: Vor 10 Jahren: Wagen der A-Klasse kippt bei "Elchtest" um - wdr.de
- Beschreibung des VDA-Tests auf colliseum.net
Einzelnachweise
- ↑ Beschreibung des VDA-Ausweichtests
- ↑ Welt online, 21. Oktober 2007: Mercedes und der Elch: Die perfekte Blamage, aufgerufen 23. Januar 2012
- ↑ Trabant 601 beim Ausweichtest
- ↑ Pylonenanordnung beim ADAC-Ausweichtest Seite 4 (PDF-Datei 214 KB)
- ↑ Citroën Nemo beim ADAC-Ausweichtest
- ↑ Teknikens Värld Elchtest-Liste
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Elchtest aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar. |