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Basken

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Baskisches Sprachgebiet am Golf von Biskaya

Die Basken, Eigenbezeichnung Euskaldunak oder Euskal Herritar, spanisch Vascos, französisch Basques, sind die insbesondere durch die baskische Sprache und Kultur charakterisierte Bevölkerung in erster Linie des Baskenlandes (durch Auswanderung auch andere Orte), der spanisch-französischen Grenzregion am Golf von Biskaya und stellen nach diesen kulturellen Kriterien bestimmt eine eigene Ethnie und, als Volk ohne eigenen Staat oder verfasste Nation betrachtet, eine nationale Minderheit in beiden Ländern dar. Die Bezeichnung Basken stammt vom Lateinischen vascones, ein Name, der ursprünglich auch für keltiberische Gruppen benutzt wurde, obwohl er etymologisch mit der Wurzel eusk- in Zusammenhang steht. Das Baskische (bask. Euskera) gilt heute als isolierte Sprache, da weltweit keine ursprüngliche Verwandtschaft zu einer anderen Sprache nachgewiesen werden konnte, und ist vermutlich ein Relikt der ersten auf dem europäischen Kontinent anwesenden Sprachen. Die Sprecher der baskischen Sprache entsprechen nach heutigem Erkenntnisstand auch der ursprünglichen Bevölkerung dieser Region (autochthone Bevölkerung), d.h. es gibt keine Hinweise auf eine frühere Besiedelung des Gebietes durch andere Sprachgruppen.

Begriffe und Begriffsverwendungen

Bauernhöfe im stark baskisch geprägten Norden von Navarra

In den politischen und gesellschaftlichen Debatten wird der Begriff die Basken (bzw. Baske/Baskin) (wie häufig bei Ethnonymen) in zwei unterschiedlichen Bedeutungen benutzt, zum einen als Bezeichnung für eine ethnische Gruppe[1] bzw. ein Volk der Basken, zum anderen als Bezeichnung für die Gesamtheit der Bewohner des Baskenlandes bzw. seiner (jeweiligen) Teile unabhängig von weiteren Gemeinsamkeiten. In beiden Verwendungsweisen ist der Begriff Basken nicht eindeutig definiert bzw. in der Definition umstritten; da weder über die Frage der Zugehörigkeit von Personen zu den ethnischen Basken noch über die territoriale Ausdehnung des Baskenlandes Einigkeit besteht. In beiden Fällen ist vor allem die konkrete Abgrenzung des Begriffs Basken in der jeweiligen Bedeutung (geografisch oder ethnisch) problematisch.

Im ersten Fall betrifft das die Frage der ethnischen Zuordnung von Personen, auf die nur eine bestimmte Anzahl der spezifisch baskischen Merkmale zutreffen (auch diese Merkmale sind umstritten). Im zweiten Fall, wenn der Begriff Basken in Sinne von die Bewohner des Baskenlands verwendet wird, umfasst das Abgrenzungsproblem die Frage nach der konkreten geografischen Ausdehnung des Baskenlandes. Neben einer großen Anzahl Menschen, deren individuelle Zugehörigkeit (Baske oder Nicht-Baske) aufgrund fehlender von allen Seiten anerkannter Definitionen nicht objektiv geklärt werden kann, gibt es auch einen nicht unerheblichen Personenkreis, der von beiden Verwendungsweisen des Begriffs Basken relativ unstrittig erfasst wird, also Menschen, die in Gebieten leben, die eindeutig dem Baskenland zugerechnet werden und auf die alle wichtigen Merkmale (siehe unten) zutreffen, die der baskischen Ethnie zugeschrieben werden.

Heute ist es unter Wissenschaftlern z. T. umstritten, ob der Begriff der Ethnie im wissenschaftlichen Kontext noch zeitgemäß angewendet werden kann. Im konkreten Fall der Basken ändert dies allerdings nichts an den realen Gegebenheiten einer Bevölkerungsgruppe mit sehr weitreichenden Besonderheiten wie starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, eigene Sprache, Kultur, Geschichte und Politik. Diese Besonderheiten sind das Produkt eines geschichtlichen und vorgeschichtlichen gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses und konstituieren heute das, was je nach politischem Standpunkt oder wissenschaftlicher Auffassung als baskische Ethnie, Nation, Nationalität, nationale Minderheit, Bevölkerungsgruppe und Gesellschaft bezeichnet wird.

Auf Baskisch wird die Basken mit euskaldunak (deutsch: Sprecher des Baskischen) oder mit euskal herritar (deutsch: Volk des Baskenlandes) wiedergegeben. Dabei wird der Begriff euskaldunak, der eigentlich Baskischsprecher bedeutet, heute auch für ethnische Basken verwendet, die nicht baskisch sprechen, und darüber hinaus bezeichnet der Begriff auch ganz allgemein alle Menschen, die die baskische Sprache erlernt haben, völlig unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Wohnort. Der Begriff der baskischen Ethnie wird in den heutigen politischen Debatten nicht mehr verwendet, da er durch die biologisch-rassistische Ideologie, die (dem damaligen europäischen Zeitgeist entsprechend) den baskischen Nationalismus der Anfangszeit dominierte, heute immer noch mit dem Begriff der Rasse in Zusammenhang gebracht wird. Entsprechend ist auch der Begriff euskotarrak (deutsch: ethnische Basken), eine Wortschöpfung von Sabino Arana, dem Begründer des baskischen Nationalismus (Abertzale), nicht mehr in Gebrauch.[2]

Die heutige baskisch-nationalistische Politik verwendet meist die Begriffe Volk, Gesellschaft und Nation, und die nicht nationalistische oder spanisch-nationalistische Politik bevorzugt eher die Begriffe Gesellschaft und Nationalität, die französisch-nationalistische die der Bevölkerung, Region und (kulturellen) Spezifität. Die baskisch-nationalistische Politik betont durch die Verwendung des Begriffs baskisches Volk zudem auch die Forderung nach der Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der Völker wie es von der UNO definiert wurde. In diesem Zusammenhang ist auch die Doppelbedeutung des Wortes Volk (pueblo) im Sinne von ethnisches Volk und im Sinne von Staatsvolk, eines angestrebten baskischen Staates, durchaus nicht ungewollt. Heftige Kontroversen löst auch die Verwendung des Begriffs baskische Nation aus, Politiker und Anhänger des baskischen Nationalismus' unterstreichen mit dieser Begriffsverwendung den politischen Anspruch einer vollständigen, alle politischen und gesellschaftlichen Bereiche umfassenden, Gleichstellung der baskischen Nation neben der spanischen und der französischen.

Neben dem Begriff Basken (span.vascos) werden im spanischen Sprachgebrauch meist die Begriffe baskisches Volk (span. pueblo vasco), baskische Gesellschaft (span. sociedad vasca) und die baskischen Bürger (span. ciudadanía vasca) verwendet. Der erste Begriff bezieht sich stärker auf die ethnische Bevölkerungsgruppe der Basken, die letzteren Begriffe beziehen sich dagegen deutlicher auf die Gesamtheit der Bevölkerung des Baskenlandes. Auch diese drei Begriffe sind nicht eindeutig definiert und werden in der Politik je nach aktueller Problematik verwendet.[3] Dabei verwenden die meisten politischen Akteure und Parteien beide Begriffe jedoch meist mit bestimmten Präferenzen. Im Statut der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes (1979) ist beispielsweise in Artikel 1 vom Pueblo Vasco[4] (baskisches Volk) die Rede, die spanische Verfassung verwendet die Formulierung: “Völker von Spanien”[5] (span.: pueblos de España) und bezeichnet diese auch als Nationalitäten.[6]

Definitionen

Klassifikation der Bevölkerung entsprechend kultureller Identität
Offizielle Sprachzonen Navarras seit 1986: baskisch-, gemischt- und spanischsprachige Gemeinden

Die Frage: „Wer ist ein Baske?“ oder „Wer sind die Basken?“ steht im Spannungsfeld französischen, spanischen und baskischen Nationalismus. Auch innerhalb der ethnischen Gruppe der Basken sind diese Fragen nicht allgemein anerkannt geklärt. Es gibt mehrere gebräuchliche Definitionen, von denen fast alle aus der Kombination mehrerer Eigenschaften bzw. Merkmale bestehen oder aber bestimmte Merkmale oder Eigenschaften (still) voraussetzen. In der Praxis hängt es zudem von der jeweiligen Einstellung oder politischen Leitlinie ab, ob eine weit gefasste Definition verwendet wird (oder-Verknüpfung von Merkmalen/Eigenschaften/Voraussetzungen) bzw. ob die Definition sehr eng gefasst wird, z. B. nur ein Merkmal entscheidet oder mehrere Merkmale müssen erfüllt sein (und-Verknüpfung). Der Fußballverein Athletic Bilbao, der traditionell nur mit baskischen Spielern antritt, verwendet beispielsweise eine kombinierte Definition des Basken: Entweder wurde der Spieler im Baskenland geboren und/oder von Jugend an dort trainiert oder er ist ethnischer Baske, im Sinne von baskischen Vorfahren, d.h. Vorfahren die aus dem Baskenland stammen, die Anhaltspunkte dafür sind Familienname, Familiengeschichte und gelebte Kultur (z. B. Exil-Basken bzw. Bürgerkriegsflüchtlinge in Lateinamerika). Als Baskenland werden alle Provinzen angesehen die zum baskischen Siedlungsgebiet gehören.[7] Aber auch bei dieser weit gefassten Definition gilt als stille Grundvoraussetzung eine gewisse positive Einstellung zu baskischer Kultur, Sprache und Tradition; ein offen spanisch-nationalistischer Fußballspieler hätte keine Aufnahmechance.[8]

Die folgenden relativ gebräuchlichen Definitionen, umfassen einen beträchtlichen Personenkreis gleichermaßen, aber schließen teilweise zahlreiche Personen aus, die von anderen Definitionen mit eingeschlossen werden, die folgenden Definitionen werden z. T. durch andere Eigenschaften oder Merkmale ergänzt bzw. gelten nur unter gewissen Vorbedingungen; können und werden aber oft auch parallel verwendet (oder-Verknüpfung):

  • „Basken sind die Einwohner des Baskenlandes.“ Diese Definition geht über die kulturellen Besonderheiten der Basken hinweg und umfasst mehrheitlich Personen, die nach anderer Definition keine Basken sind. Darüber hinaus kann das Baskenland unterschiedlich definiert werden. Es gibt die Baskische Autonome Gemeinschaft[9] (Euskal Autonomia Erkidegoa, Comunidad Autónoma Vasca) und das französische Baskenland (Iparralde = „Nordseite“, Pays Basque). Das spanische Navarra wird je nach politischer Einstellung ganz, teilweise oder gar nicht dem Baskenland zugerechnet.
  • „Basken sind die Sprecher (oder Muttersprachler) der baskischen Sprache.“ Diese Definition verwendet die Sprache als Zuordnungskriterium. Bei nicht Muttersprachlern wird ein gewisser persönlicher Bezug zum Baskenland (Geburt, Wohnort, Abstammung o. ä.) meist zusätzlich vorausgesetzt.
  • „Basken sind diejenigen, die sich als Angehörige eines baskischen Volkes betrachten und diese Identität über ihre spanische oder französische Staatsangehörigkeit stellen.“ Das tun nicht alle baskischen Muttersprachler.
  • „Basken sind alle, die sich der baskischen Kulturgemeinschaft zugehörig fühlen, gleich, ob sie diese als Volk betrachten oder nicht.“ Auch diese Definition überlässt es dem Einzelnen, zu entscheiden, was er ist. Auch hier wird in der Praxis ein gewisser objektiver Bezug zum Baskenland (Sprache, Wohnort, kulturelle Aktivitäten usw.) vorausgesetzt, d.h. allein die Selbstverortung genügt nicht.
  • „Basken sind im Baskenland geborene Personen mit baskischem Namen.“ Diese Definition enthält zwei der schon angedeuteten Probleme: zum einen die geografische Ausdehnung des Baskenlandes und zum anderen die sprachliche Zuordnung der Namen. Dabei stellt letztere in der Praxis meist kein größeres Problem dar, und da dies eine konservativ baskisch-nationalistische Definition ist, wird das Baskenland zumeist im Sinne von alle Provinzen des baskischen Siedlungsgebietes verstanden. Diese Definition lässt die individuelle Selbstdefinition und gelebte Kultur außer Acht.
  • „Basken sind Menschen mit (überwiegend) baskischen Vorfahren“ (vgl. Art. 116 Grundgesetz - Deutsche im Sinne Grundgesetzes). Diese Definition löst nicht den Konflikt zwischen den voran genannten, da auch die Identität der Vorfahren definiert werden muss. Sie wirft die Frage auf, wie viele Generationen zu betrachten sind, und lässt Selbstidentifikation und gelebte Kultur unbeachtet.

Verbreitung und Zahlen

Unterschiede des baskisch sprechenden Bevölkerungsanteils

In den Jahren 2000 / 2001 wurden in Spanien und Frankreich Volkszählungen durchgeführt, die auch Auskunft über die neuere zahlenmäßige Entwicklung des baskischen Sprachgebrauchs geben.

Für den kleinen französischen Teil des Baskenlandes, baskisch Ipar Euskal Herria („Nordbaskenland“), werden für 2001 etwa 82.000 (zweisprachige) Sprecher des Baskischen angegeben bei einer Gesamtbevölkerung von 246.000, also ein Drittel.

Von den 2.123.000 Einwohnern der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, sprechen etwa 27 % Baskisch, 570.000 bis 580.000. Die Zahl derer, die ihre baskische Identität über die spanische Staatsbürgerschaft stellen, liegt höher, aber auch unter 50 % der Gesamtbevölkerung.

In der Autonomen Gemeinschaft Navarra, baskisch Nafarroa, spricht im gebirgigen Norden ein beträchtlicher Teil der Einwohner Baskisch, in den übrigen Teilen aber nur wenige, so dass der Anteil der Baskischsprecher insgesamt nur bei 12 % liegt, 61.166 der etwa 600.000 Einwohner.

Sprache und Selbstdefinition

Befragung des staatlichen „CIS“ (Centro de Investigaciones Sociológicas) in der Baskischen Autonomen Gemeinschaft

Eine Umfrage unter 2.466 Bürgern in den drei Provinzen der Autonomen Gemeinschaft Baskenland ergab 2005 folgende Ergebnisse: Von den Befragten konnten

  • 53,8 % Baskisch verstehen,
  • 41,4 % es lesen,
  • 37,2 % es fließend sprechen und
  • 33,7 % korrekt Baskisch schreiben.

Von denselben 2.466 Personen bezeichneten sich

  • 26 % ausschließlich als Basken,
  • 21,8 % eher als Basken denn als Spanier,
  • 38,5 % gleichermaßen als Basken und als Spanier,
  • 4,3 % eher als Spanier denn als Basken,
  • 3,8 % ausschließlich als Spanier.

(5,6 % antworteten „Weiß nicht“ oder „Keine dieser Optionen trifft zu“.)[10]

Die Stichprobe hatte gegenüber der Gesamtbevölkerung einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Baskischsprechern.

Sprache

Die baskische Sprache ist als isolierte Sprache zu bezeichnen, weil in Europa und weltweit keine ursprüngliche Verwandtschaft zu anderen Sprachen gefunden wurde. Daraus schließen manche Wissenschaftler, dass die Basken den Rest einer Bevölkerung darstellen, die im übrigen Europa von der Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachen erfasst wurde.[11] Einige Wissenschaftler, darunter der Germanist Theo Vennemann und der Mathematiker Peter Forster, sehen gewisse sprachliche Übereinstimmungen zu anderen europäischen Sprachen. Sie vermuten daher, dass Europa nach der Eiszeit vom iberisch-südfranzösischen Gebiet aus von den Ur-Basken besiedelt wurde und drei Viertel aller Europäer genetisch mit den Basken verwandt seien.[12]

Geschichte der Basken

Vorrömische Sprachen:
- dunkelgrün Aquitanisch (Altbask.)
- hellgrün Iberisch
- leuchtend blau Keltiberisch
Dinar (2. Jahrhundert v. Chr.): „BaSKuNES“
1030: Leon (orange), Navarra (gelb), Kalifat von Córdoba (braun)
Volkstanz

Auf das besonders hohe Alter der baskischen Sprache weist linguistisch außer der isolierten Position auch das Vokabular hin; die Bezeichnungen diverser Trennwerkzeuge vom Beil bis zur Schere enthalten den Wortstamm aitz oder haitz („Stein“), was auf einen bis in die Steinzeit (auf der Iberischen Halbinsel bis vor etwa 4.000 Jahren) zurückreichenden Grundwortschatz hinweist.

Es gibt zwar Schriftfunde in aquitanischer (altbaskischer) Sprache, geschrieben in iberischer Silbenschrift, aber diese beschränken sich auf Personen- und Götternamen. Ein vielzitierter Münzfund aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. zeigt nicht die Eigenbezeichnung der Basken, sondern die Fremdbezeichnung „Ba-S-Ku-N-E-S“. Zusammenhängende baskische Texte sind erst seit dem 16. Jahrhundert erhalten. Daher stützt sich das geschichtliche Wissen über die Basken weitgehend auf römische Quellen und Beschreibungen in Nachbarsprachen.

In Texten aus dem Römerreich werden die Stämme Vascones und Avsci erwähnt, letztere in Aquitanien außerhalb des heutigen baskischen Sprachgebietes. Auch sind vorrömische Ortsnamen erwähnt, die aus baskischen Wörtern bestehen, beispielsweise Eliumberrum („Neustadt“) für das heutige Auch.[13] In seinem Eroberungsbericht De Bello Gallico unterschied Caesar gleich im ersten Satz dieses Aquitanien vom eigentlichen Gallien. Teile dieser Stämme wurden romanisiert. Es entstanden lateinische Provinzialdialekte, die von baskischen Aussprachegewohnheiten geprägt waren. So ist zum Beispiel die heutige französische Regionalsprache Gascon entstanden. Seit der Römerzeit ist das baskische Gebiet kontinuierlich geschrumpft.

Seit der Völkerwanderungszeit gehörten große Teile Galliens und des heutigen Spanien zum Westgotenreich, nicht aber das Baskenland und die Nordküste der Iberischen Halbinsel. Ab 711 eroberten die Mauren die Iberische Halbinsel und drangen weiter bis nach Poitiers vor. Zum Schutz des Frankenreiches vor den Mauren gründete Karl der Große die Spanische Mark. Nun lavierten die Basken an der Grenze zweier Machtblöcke. Literarisches Zeugnis davon ist das Rolandslied; nach heutiger Historikersicht waren es Basken, die den karolingischen Markgrafen Roland im Hochtal von Roncesvalles (baskisch Orreaga) besiegten und töteten.

In der Folgezeit entstanden im Norden der Iberischen Halbinsel mehrere kleine Staaten, von denen das Königreich Navarra große Teile des damaligen baskischen Gebietes umfasste. Sein bedeutendster König Sancho III. (* um 990, regierte 1000–1035) wurde auch „König aller Basken“ genannt. In die Aufstiegszeit dieses Königreiches im 10. Jahrhundert fiel auch die für westeuropäische Verhältnisse äußerst späte Christianisierung der Basken. Später ging das Königreich Navarra schrittweise in den großen Nachbarstaaten Frankreich und Spanien auf.

Symbolbaum:
Die Eiche von Gernika

In Spanien, das erst 1479 unter dem Königspaar Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón zu einem Staat vereinigt wurde, hatten die Basken lange Zeit Sonderrechte, die so genannten Fueros. Unter dem Zentralismus der spanischen Bourbonen wurden diese aber weitgehend beschnitten. In den Karlistenkriegen 1833 – 1849 zwischen den Anhängern zweier Zweige des Bourbonenhauses versuchten die baskischen Provinzen (damals einschließlich Navarra) erfolglos, eine eigene Rolle zu spielen. Dieser Misserfolg gab einen wesentlichen Anstoß, dass – später als die meisten anderen europäischen Völker – nun auch die Basken einen Nationalismus entwickelten, der Konflikte mit dem französischen und vor allem dem spanischen Nationalismus heraufbeschwor.

Im republikanischen Spanien erhielt das Baskenland ein Autonomiestatut. Franco, der den spanischen Bürgerkrieg entfachte und gewann, verbot den Gebrauch der baskischen Sprache. Die ETA, die einen militanten Widerstand gegen den Franquismus führte, setzte im demokratischen Spanien den Kampf für eine staatliche Unabhängigkeit des Baskenlandes mit terroristischen Mitteln bis zur schließlichen Ankündigung eines endgültigen Waffenstillstands im Oktober 2011 fort.

Mit der Transición, dem Übergang Spaniens zur Demokratie, wurden die Autonomen Gemeinschaften konstituiert. Die Baskische Autonome Gemeinschaft (Cumunidad Autónoma Vasca) ist heute komplett offiziell zweisprachig, in der Autonomen Gemeinschaft Navarra ist es nur der Nordteil. Darum wurden die Gemeinden (Municipios) von Navarra 1986 amtlich drei Sprachzonen zugeteilt, einer baskischsprachigen, einer gemischten und einer spanischsprachigen. Etwas verzögert wurde das Baskische auch im französischen Baskenland aufgewertet (z. B. zweisprachige Ortsschilder). Das 1995 eingerichtete Pays Basque ist allerdings keine der den Départements übergeordneten Regionen Frankreichs. Es liegt organisatorisch unter der Ebene des Départements, neben der traditionellen Distrikteinteilung.

Einzelnachweise

  1. vgl. Walther L. Bernecker (2001): Ethnischer Nationalismus und Terrorismus im Baskenland. (pdf) S. 209, 214, 219 & 239. in Nr. 60: Zeitgeschichtliche Hintergründe aktueller Konflikte VIII; Center for Security Studies (CSS), ETH Zurich.
    vgl. Antje Helmerich : Ethnonationalismus und das politische Potenzial nationalistischer Bewegungen; in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Nr. 39 / 20. September 2004.
    vgl. Heinz-Jürgen Axt: Ein Kontinent zwischen nationaler und europäischer Identität - Zur politischen Kultur in Europa erschienen in: Anneli Ute Gabanyi(Hrsg.), Transformationsstaaten in Europa 1989-1999, München (i.E.).
    vgl. Peter Waldmann: Gewaltsamer Separatismus. Westeuropäische Nationalitätenkonflikte in vergleichender Perspektive; in: Winkler, Heinrich August/Kaelble, Hartmut (Hg.): Nationalismus – Nationalitäten – Supranationalität. Stuttgart 1993, S. 82-107.
  2. Zu den Begriffen euskaldunak, euskal herritar, euskotarrak vgl. spanische Wikipedia: Vasco
  3. vgl. zur politischen Verwendung des Begriffs Baskisches Volk (span. pueblo vasco) hier: Partido Popular (PP) & Partido Socialista Obrero Español (PSOE): Acuerdo por las Libertades y contra el Terrorismo (2000) S. 3: “(…) 3. Durante más de dos décadas de democracia, el pueblo vasco ha desarrollado su capacidad de autogobierno en el marco de la Constitución y del Estatuto de Guernica. Ese marco ha permitido la expresión política, cultural y social de la pluralidad que alberga la sociedad vasca. Cualquier discrepancia política existente entre vascos puede y debe plantearse en ese marco institucional. (…)” unterschrieben von José María Aznar und José Luis Rodríguez Zapatero (Dokument mit Unterschriften)
  4. Estatuto de Autonomía del País Vasco de 1979
  5. Constitución española de 1978: “Preámbulo (…) Proteger a todos los españoles y pueblos de España en el ejercicio de los derechos humanos, sus culturas y tradiciones, lenguas e instituciones.”
  6. Constitución española de 1978: “Artículo 2. La Constitución se fundamenta en la indisoluble unidad de la Nación española, patria común e indivisible de todos los españoles, y reconoce y garantiza el derecho a la autonomía de las nacionalidades y regiones que la integran y la solidaridad entre todas ellas.”
  7. Der Spiegel 15/2008: Bollwerk der Basken (Walter Mayr) S. 140ff.
  8. vgl. Süddeutsche Zeitung: Ethnisch im Abseits (29. Februar 2008 )
  9. Spanien wurde nach dem Ende der Franco-Diktatur in Autonomen Gemeinschaften (Comunidades Autónomas) eingeteilt, die etwa den deutschen Bundesländern entsprechen. Sie umfassen zumeist mehrere Provinzen. Navarra und ein paar andere bestehen nur aus einer einzigen Provinz
  10. La mitad de los vascos aboga por la redacción de un nuevo Estatuto, según una encuesta del CIS, Artikel in El País vom 24. Juni 2005 (spanisch), CIS-Webseite
  11. Basken als Überbleibsel des vor-indoeuropäischen Europa
  12. „Spektrum der Wissenschaft“ (Mai 05/2002), Kapitel 1. Linguistik (Titelthema): Ursprache der Europäer - Einst beherrschte das Baskische den Kontinent, S.32-40 2. Genetisch sind wir alle Basken,S.41-44
  13. Pomponius Mela: „Nam a Pyrenaeo ad Garumnam, Aquitani […] Aquitanorum clarissimi sunt Ausci […] Urbes opulentissimae in Auscis Eliumberrum“ (III 15) „Die Aquitanier erstrecken sich von den Pyrenäen bis zur Garonne […] Die Ausci sind die wichtigsten Aquitaner […] Die blühendste Stadt ist Eliumberrum, bei den Ausci“

Weblinks

Siehe auch

Literatur

  • Jacques Allières: Les Basques. Paris 1985.
  • Jean-Louis Davant: Histoire du peuple basque – le peuple basque dans l’histoire. Elkar, Baiona 1986
  • Michael Kasper: Baskische Geschichte in Grundzügen. Darmstadt 1997. ISBN 3-89678-039-5
  • Xosé M. Núñez: Spanischer Nationalismus, periphere Nationalbewegungen und Staatskrise (1917-1936). In: Heiner Timmermann (Hrsg.): Nationalismus und Nationalbewegungen in Europa 1914-1945. Berlin 1999.
  • Kerstin Römhildt: Nationalismus und ethnische Identität im 'spanischen' Baskenland. Münster/Hamburg 1994.
  • Roger Collins: The Basques. Basil Blackwell Ltd., Oxford 1986.
  • Jean-François Bladé: Études sur l′origine des Basques. Slatkine-Megariotis Reprints, Genf 1976.
  • Walther L. Bernecker ; Horst Pietschmann: Geschichte Spaniens. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart; 4.Aufl. Stuttgart 2005, ISBN 3-17-018766-X (zu den Basken in Spanien)
  • Louis Charpentier: Das Geheimnis der Basken, erschienen 1975 in Frankreich unter dem Titel „Le Mystère basque“ ISBN 3-88199-295-2
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