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Hauskirche

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hauskirche (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Artikel Hauskirche und Hauskirchenbewegung überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen. Beteilige dich dazu an der Diskussion über diese Überschneidungen. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz. Robert Weemeyer (Diskussion) 19:29, 8. Nov. 2012 (CET)

Als Hauskirche oder Hausgemeinde bezeichnet man im Christentum Gruppen, die Gottesdienst eher integriert in ihren Lebensvollzug denn als gottesdienstliche Veranstaltung verstehen. Sie pflegen Gemeinschaft in kleineren Gruppen, oft in Privathäusern. Hauskirchen können einzeln existieren oder Teil einer mehr oder weniger organisierten größeren Gemeinschaft sein.

Das Urchristentum begann mit Hauskirchen. In den ersten Jahrhunderten waren Hauskirchen schon deshalb üblich, weil es noch keine Kirchengebäude gab. Eine große Rolle spielen Hauskirchen heute beispielsweise im chinesischen Christentum.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstand in der evangelikalen Tradition eine so genannte Hauskirchenbewegung, die Gemeinschaft von Christen in Alltagsnähe betont (Privathäuser) und dafür eine eigenständige Kirchenlehre entwickelt hat.

Geschichtliche Entwicklung

Hausgemeinschaft im Judentum

Im Judentum spielt die Familiengemeinschaft parallel zum zentralen Tempel und zu den Synagogen eine wesentliche Rolle für das Glaubensleben. Die wöchentliche Sabbatfeier und viele jüdische Feste finden im Rahmen der Familie statt, die Verantwortung für die Weitergabe des Glaubens an die Kinder liegt bei der Familie.

Hauskirchen im Christentum

Von Jesus von Nazaret werden im Neuen Testament viele Aufenthalte in privaten Häusern und die Teilnahme an privaten Feiern berichtet. Auch das Abendmahl fand in einem privaten Rahmen statt. Die ersten jüdischen Christen trafen sich in Privathäusern für Abendmahlsfeiern und nahmen parallel dazu am jüdischen Tempelkult teil. Außerhalb des Judentums war das Privathaus in der ersten Zeit die einzige praktikable Möglichkeit für christliche Gemeinschaft.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts versammelten sich die Gemeinden auch in den meist unterirdisch angelegten Grabstätten von Märtyrern (Katakomben), jedoch nur zum Gebet an Märtyrergräbern oder zum Jahresgedächtnis der Verstorbenen, aber in der Regel nicht zur Liturgiefeier. Zum Rückgang der Hauskirchen führten im 3. Jahrhundert die zunehmende Größe der Gemeinden, die mehr und mehr ausgebaute organisatorische Struktur der Kirche, zu der teilweise auch Schulen gehörten, und die stärker betonte Feierlichkeit der Liturgie, die dafür einen besonderen Platz erforderte. Neben den schlichten Hauskirchenversammlungen gab es jetzt in großen Privathäusern spezielle Kapellenräume, zu Kirchen umfunktionierte Gebäude, sowie auch bereits einzelne zu diesem Zweck errichtete Kirchengebäude.

Diokletian ordnete im Rahmen der nach ihm benannten Verfolgungen im Jahre 301 die Zerstörung von Kirchen an. Auch das Toleranzedikt von Nikomedia, das den Christen erlaubt, ihre Kirchen wieder herzustellen, und das Toleranzedikt von Mailand von 313 bestimmte, dass die Christen ihre Versammlungsstätten zurückerhalten sollten, weisen darauf hin, dass es schon vor der konstantinischen Wende zahlreiche Kirchengebäude gegeben hat.

Nach der konstantinischen Wende entstanden zahlreiche und immer prächtigere Kirchengebäude - sowohl Konstantin als auch seine Mutter Helena ließen selbst Kirchen bauen, und die Gottesdienste fanden nun üblicherweise in Kirchengebäuden statt. In Situationen der Christenverfolgung gab es aber immer noch Versammlungen in zu Kirchen umfunktionierten Räumen in Privathäusern, wie beispielsweise die Anastasia-Kirche, in der Gregor von Nazianz 379/380 im arianisch dominierten Konstantinopel predigte.

Auch im Laufe der Expansion des Christentums im Frühmittelalter in Europa kam es immer wieder zu Hauskirchensituationen, wenn etwa die christliche Frau eines heidnischen Königs die Erlaubnis hatte, mit ihrem Gefolge privat Gottesdienste zu feiern.

Während des Hoch- und Spätmittelalters gab es Hauskirchen notgedrungen in den meisten christlichen Bewegungen außerhalb der Kirche, beispielsweise bei den Waldensern und Lollarden.

Römisch-Katholische Kirche

In den letzten Jahrzehnten kommt der Hauskirche in der Römisch-Katholischen Kirche ein immer geringer werdender Anteil an der Katechese zu. So sind Hausaltäre heute nicht mehr in den Wohnungen und Häusern zu finden. Auch der Gebrauch von Weihwasser ist heute innerhalb der Familie längst nicht mehr selbstverständlich. Die Wichtigkeit der "Ecclesia domestica" ist beim 2. Vatikanischen Konzil behandelt worden. Papst Johannes Paul II. widmete sich ausführlich in dem Apostolischen Schreiben Familiaris consortio dieser kleinsten Ausprägung von Kirche.

Auch Papst Benedikt XVI. setzt diese Tradition fort, als er mit der Botschaft zum Weltfriedenstag 2008 die Familie in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Die Pfarrverbände in den Bistümern sehen die Glaubensunterweisung und -verbreitung als vorrangige Aufgabengebiete an.

Hauskirchen im Protestantismus

In der Reformationszeit wurden innerhalb mancher reformatorischen Kirchen Hausversammlungen parallel zu kirchlichen Gottesdiensten wieder aufgewertet, sowohl in Evangelisch-lutherischen wie in Evangelisch-reformierten (Calvinismus) Kirchen. Martin Luther formulierte damals: "Die dritte Form der Messe sollte eine wahre evangelische Ordnung sein und sollte nicht öffentlich für alle Arten von Menschen abgehalten werden. Diejenigen, die mit Ernst Christ sein wollen und das Evangelium mit der Tat und dem Munde bekennen, müssten sich mit Namen eintragen und sich etwa in einem Hause für sich allein versammeln um zu beten, die Bibel zu lesen, zu taufen, die Sakramente zu empfangen und andere christliche Werke zu tun..."

Eine große Rolle spielte die Hausgemeinde auch innerhalb der ebenfalls in der Reformationszeit entstandenen Freien Christen und der Täuferbewegung. Die von den Mennoniten abgespaltenen Amischen kennen bis heute weder Gemeindehaus noch Kirche. Daneben gab es weiterhin Hauskirchen unter allen Konfessionen, wenn sie sich in der Situation der verfolgten Minderheit sahen, insbesondere bei den französischen Protestanten (Hugenotten).

Im Pietismus und im Methodismus des 17. und 18. Jahrhunderts kam es zu einer systematischen Bildung von verbindlichen Hauskreisen, die sich zur Vertiefung des Glaubenslebens in Privathäusern trafen, in Ergänzung zum Gottesdienst und den Sakramenten, nicht als Ersatz derselben. Der Pietismus verstand sich ganz bewusst als Laienbewegung.

Gegenwart

Hauskreise in der Art des Pietismus gibt es bis heute in vielen evangelischen Kirchen. Einen besonderen Aufschwung erlebten sie in der charismatischen Erneuerung ab den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, in der neu auch viele Hauskreise in der katholischen Kirche und viele überkonfessionelle Hauskreise und Hauskreisbewegungen entstanden. Gemeinsam ist diesen Hauskreisen, dass sie sich als Ergänzung zur Kirche sehen und nicht als eigenständige Kirche. In einigen dieser Hauskreise gibt es gemeinsame Abendmahlsfeiern, aber generell werden Sakramente und Sonntagsgottesdienst als Sache der Kirchen angesehen.

Eine besondere Art der Hauskirchen in der katholischen Kirche stellen die lateinamerikanischen Basisgemeinden dar.

Hauskirchen als Untergrundbewegung

Neben den Hauskreisen gibt es bis in die Gegenwart Hauskirchen, bei denen das gesamte kirchliche Leben in Privathäusern stattfindet, insbesondere im Untergrund in kommunistischen oder islamischen Ländern, in denen das Christentum offiziell verboten ist.

Eine ganz besondere Rolle spielt die Hauskirchenbewegung in China, wo die kommunistische Regierung 1948 sämtliche christlichen Missionare des Landes verwies, die dabei etwa 30.000 bekehrte Christen zurückließen. Erlaubt war nur noch die staatlich kontrollierte Drei-Selbst-Kirche, jede andere Form des Christentums war verboten. Vierzig Jahre später, als wieder eine gewisse Kommunikation mit China möglich wurde, entdeckte man, dass aus den wenigen unabhängigen Christen, die sich nur im Verborgenen in Privathäusern treffen konnten, die über keine ausgebildeten Theologen aber über eine vollständige Bibel verfügten, eine Hauskirchenbewegung entstanden war, die auf 80 Millionen Anhänger geschätzt wird. Auch in Indien wächst die Hauskirchenbewegung derzeit multiplikativ.

In Europa ist die Hauskirchenbewegung verhältnismäßig klein. Ein übergreifendes Konzept oder auch nur eine zentrale Webseite gibt es nicht. Es besteht kein Interesse an einer eigenständigen Denomination. Es besteht aber in der Regel Interesse an einer örtlichen Kooperation von Christen über Denominationsgrenzen hinweg. Bestimmte biblische Werte sind für Hauskirchen typisch: Gemeinschaft, Mitverantwortung, gemeinsamer Dienst, Schlichtheit. Beziehungen sind wichtiger als Programme. Gebet, Lehrgespräch und Mahlzeiten charakterisieren ein hauskirchliches Treffen. Hauskirchlichen Werten begegnet man auch in der „Organic Church“-Bewegung um Neil Cole, oder in der „Emerging Church“-Bewegung. Nicht zuletzt auch in traditionellen Kirchen mit Gebäuden und Gottesdiensten.

Literatur

  • Keith Smith: Hauskirchen-Manifest für Deutschland, GloryWorld-Medien, 2009, ISBN 3-936322-38-4
  • Felicity Dale: Gesunder Start für Hauskirchen, GloryWorld-Medien, 2006, ISBN 3-936322-24-4
  • Tony & Felicity Dale: Einfach(e) Kirche, GloryWorld-Medien, 2003, ISBN 3-936322-05-8
  • Wolfgang Simson: Häuser, die die Welt verändern, C&P Verlag, 1999, ISBN 3-928093-12-6
  • Roger Gehring: Hausgemeinde und Mission, 2000, ISBN 3-7655-9438-5
  • Robert Fitts: Die Kirche im Haus – Eine Rückkehr zur Einfachheit, GloryWorld-Medien, 2002, ISBN 3-936322-00-7
  • Mike & Sue Dowgiewicz: Zeiten der Wiederherstellung, GloryWorld-Medien, ISBN 3-936322-23-6
  • Paul Hattaway: Heavenly Man, Brunnen Verlag Gießen, 5. Aufl. 2007 (Erfahrungsbericht eines chinesischen Hauskirchenleiters aus den 1980er und 1990er Jahren)
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