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Kinder- und Jugend-Alijah

Aus Jewiki
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Die erste Jugend-Alijah Gruppe aus Deutschland, unterwegs zum Kibbuz Ein Harod, 1934
Letzte Tagung der Jugend-Alija-Leitung im August 1941 (v.l.n.r.): Lotte Kaiser, Arthur Posnanski, Hans-Wolfgang Cohn, Sonja Okun, Alfred Selbiger, Ludwig Kuttner, Kurt Silberpfennig, Jitzchak Schwersenz, Herbert Growald
(Foto © Yoav Gad)

Die Kinder- und Jugend-Alijah (Alijat Noar, von hebräisch Alija für Aufstieg) war eine jüdische Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen.

Geschichte

Sie wurde am 30. Januar 1933 in Berlin von Recha Freier, Ehefrau eines Berliner Rabbiners, und Eva Michaelis-Stern[1] gegründet. Die Idee fand auf dem 18. Zionistenkongress in Prag Unterstützung. Recha Freier leitete die Organisation in Deutschland, Henrietta Szold in Jerusalem. Auf Bitten von Henrietta Szold ging Eva Michaelis-Stern 1938 nach London, wo sie ein Jugend-Aliyah-Büro eröffnete und es über den Zweiten Weltkrieg hinweg leitete.[1]

Engster Mitarbeiter von Henrietta Szold war der aus Thüringen stammende Bankier Hans Beyth,[2] der nach ihrem Tod 1945 die Leitung übernahm und im Dezember 1947 erschossen wurde, als er an der Straße von Tel Aviv nach Jerusalem bei Castel das Feuer arabischer Freischärler auf einen Bus mit Kindern erwiderte.

Tatkräftige Unterstützung erhielt die Jugend-Alija von Georg Landauer, dem Geschäftsführer des Jerusalemer Büros des Zentralbüros für die Ansiedlung deutscher Juden (Central Bureau for the Settlement of German Jews), der sogenannten Deutschen Abteilung der Jewish Agency for Palestine. Viele Mitglieder des jüdischen Jugendbundes Chug Chaluzi unter ihrem Leiter Jizchak Schwersenz konnten über die Kinder- und Jugend-Alijah aus Berlin fliehen. Es wurden etwa 21.000 Kinder und Jugendliche gerettet.

Zu den prominenten Unterstützern der Jugend-Alijah zählte unter anderem Hannah Arendt, die in ihrem Pariser Exil für die Organisation tätig war.[3]

Nach Angaben der Organisation wurden bis heute mehr als 350.000 Kinder und Jugendliche aus über 80 Ländern betreut.

Siehe auch

Literatur

  • Eva Michaelis-Stern[4]: Erinnerungen an die Anfänge der Jugend-Alijah in Deutschland, in Bulletin des Leo-Baeck-Instituts, 70, 1985, S. 55–66
  • Gabriele Goettle: Was ist Geld?! Lutz Kann, ein jüdischer Remigrant erzählt. In: Die tageszeitung, 29. Juli 2013, S. 16 f.
  • Gudrun Maierhof, Chana Schütz, Simon Hermann (Hrsg.): Aus Kindern wurden Briefe. Die Rettung jüdischer Kinder aus Nazi-Deutschland. Metropol, Berlin 2004, ISBN 3-936411-86-7 (Mit Namensregister der in diesem Buch erwähnten bzw. interviewten Ausgewanderten).

Film

  • „Es war ein anderes Leben.“ Mit der Kinder- und Jugend-Alijah nach Palästina. Regie Hans Jan Puchstein, Kamera Katinka Zeuner, Ton und Musik Simon Theisen. Filmarche, Berlin 2008 (Enthält: historische Aufnahmen; aktuelle Interviews mit Bewohnern aus Deutschland und Österreich, die Ende der 1930er Jahre als Kinder geflüchtet waren; ihr Leben im Kibbuz Ma’agan Micha’el heute; Stimmen zu Freiers Tätigkeit), s/w 41 Min., DVD deutsch mit engl. UT, ohne EAN

Weblinks

 Commons: Kinder- und Jugend-Alijah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Jewish Women's Archive: Eva Michaelis Stern 1904 – 1992
  2. In Memoriam Hans Beyth, in: Aufbau, Jg. 14, 1948, Nr. 4 (23. Januar 1948), S. 11, Spalte a
  3. In ihrem legendären ZDF-Interview mit Günter Gaus vom 16.9.1964 äußerte sich Arendt ausführlich zu ihrer Tätigkeit für die Organisation und würdigt ausdrücklich die hervorragende Rolle von Freier und Szold beim Aufbau des Hilfswerks. S. Dalkowski: Gaus und Arendt - der unwahrscheinlichste Youtube-Hit: RP Online, 30.12.2017 Link
  4. Schwester von Günther Stern (= Günther Anders), Schwägerin Hannah Arendts
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Kinder- und Jugend-Alijah aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.