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Schildläuse

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Schildläuse
Australische Wollschildlaus (Icerya purchasi)

Australische Wollschildlaus (Icerya purchasi)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung: Pflanzenläuse (Sternorrhyncha)
Überfamilie: Schildläuse
Wissenschaftlicher Name
Coccoidea
Handlirsch, 1903
Schildläuse
Röhrenschildläuse (Orthezia urticaean) an einer Brennnessel

Die Schildläuse oder Coccoidea sind eine Überfamilie der Insekten und gehören zu den Pflanzenläusen (Sternorrhyncha). Von den bekannten 3.000 Arten leben in Mitteleuropa etwa 90. Die Körperlänge der Tiere beträgt zwischen 0,8 und 6 mm, die größte Art Aspidoproxus maximus kann bis zu 38 mm lang werden. Alle Schildläuse ernähren sich von Pflanzensaft und gelten aus diesem Grund häufig als Schädlinge. Ein typisches Beispiel für das Schadverhalten ist die Buchenwollschildlaus.

Die männlichen Schildläuse sind in der Regel geflügelt. Dabei sind die Hinterflügel zu Schwingkölbchen umgewandelt, außerdem besitzen sie keine Mundwerkzeuge und nehmen entsprechend auch keine Nahrung auf.

Die Weibchen leben meist in großen Kolonien auf verschiedenen Pflanzenteilen. Ihr Körper ist schildförmig und häufig in eine Kapsel eingeschlossen, bei vielen Arten sind die Weibchen vollkommen bewegungsunfähig. Der lange Stechrüssel wird in die Pflanze eingestochen. Oft sind die Schildlausweibchen auch von einem Wachssekret überzogen. Parthenogenese kommt bei Schildläusen vor, die erste Larve ist beweglich und setzt sich sehr schnell fest. Die Weibchen legen unter ihrem Schild riesige Mengen an Eiern ab.

Die Junglarven schlüpfen etwa ab Juli und wandern dann auf Blätter und junge Triebe. Durch die Saugtätigkeit kommt es während des Sommers zu starker Honigtaubildung.

Aus Schildläusen kann der Farbstoff Karmin gewonnen werden.

Systematik der Schildläuse

Schildläuse sind auch in Mitteleuropa durch eine Reihe von Taxa mit Familienrang vertreten.

Verbreitung

Vor allem im Winter und Frühjahr. Auf verschiedenen Zimmerpflanzen, meist an den Blattunterseiten, den Blattadern und den Ästen. Häufig an: Palmen, Oleander, Ficus, Orchideen, Aralien. Sie befallen gerne Farne und hartlaubige Gewächse wie Zitruspflanzen oder Lorbeer.

Da eine erwachsene Schildlaus ihren Standort in der Regel beibehält, ist sie auf eine gute Tarnung angewiesen. Meist lebt sie deshalb auf Blattunterseiten oder auf Ästen und ist farblich ihrer Umgebung angepasst. Man erkennt das Vorhandensein von Schildläusen oft erst an deren klebrigen Ausscheidungen als Tropfen auf Blättern und am Boden oder am Auftauchen von Ameisen.

Ernährung

Schildläuse ernähren sich hauptsächlich von im Pflanzensaft vorhandenen Eiweißen. Da Pflanzensaft – abgesehen von Wasser – aber hauptsächlich Zucker enthält, scheiden manche Napfschildlausarten den Überschuss als klebrig-klare Honigtautropfen wieder aus. Damit die Laus dabei nicht selbst verklebt, schleudert sie die Tropfen von sich weg.

Die Schildlaus als Schädling

Einige Schildlausarten gehören zu den wirtschaftlich wichtigsten Schädlingen in der Landwirtschaft. Beispielsweise sind die Ananasschmierlaus (Dysmicoccus brevipes) und Dysmicoccus neobrevipes zwei der Hauptschädlinge an Ananaspflanzen, Asterolecanium coffeae ist einer an Kaffee und die Australische Wollschildlaus (Icerya purchasi) ist es an Zitrusfrüchten.

Neben Blattläusen und Weißen Fliegen gehören Schildläuse zu den häufigsten Schädlingen an Zimmerpflanzen. Sie entziehen der Pflanze Nährstoffe. Durch den ausgeschiedenen Honigtau einiger Napfschildlausarten und die nachfolgende Bildung von Rußtaupilz wird die Photosynthese beeinträchtigt. Deckelschildläuse geben giftige Stoffe in die Pflanzen ab. All dies hemmt das Wachstum der Pflanze und trägt im Extremfall zum Absterben des Wirtes bei.

Honigtau kann für den Menschen störend sein: In Wohnungen verklebt er Böden, Möbel und Fenster, im Freien Autoscheiben. Im Weinbau kann er den Geschmack des Weines beeinträchtigen.

Ursache eines Befalls

Die Ursache eines Schildlausbefalls liegt meistens bei den ungünstigen Rahmenbedingungen der Pflanze. Die Schildläuse stellen also meist nur das Symptom dar. Schildläuse befallen gerne geschwächte und mit Stickstoff überdüngte Pflanzen. Im Winter bekommen viele Zimmerpflanzen zu wenig Licht und stehen sehr warm. Hierdurch verändert sich die Zusammensetzung des Pflanzensaftes und bietet günstige Bedingungen für eine schnelle Vermehrung der Tiere.

Vorbeugung und Bekämpfung

Als verbessernde Maßnahme sollen in erster Linie die Standortbedingungen der Pflanze und damit die Gesundheit der Pflanze verbessert werden: Hellerer, kühlerer Standort. Der Boden soll gelockert, gemulcht und mit Kompost aufgelockert werden.

Passende Duftkräuter: Bohnenkraut zu Bohnen, Lavendel zu Rosen, Kapuzinerkresse in Baumscheiben.

Bei schwachem Befall an Einzelpflanzen reicht das Abwischen der Tiere von den Pflanzen mit einem befeuchteten Lappen oder einer Bürste, eventuell mit Seifenwasser aus. Besonders schonend und effizient ist das Abduschen mit einem starken Wasserstrahl. Im Frühjahr die Stammmütter zerdrücken. Es eignen sich zudem Spritzbrühen aus Zwiebel- oder Kartoffelschalen, Rhabarberblättern, Knoblauch, Brennnessel, Rainfarn, Wermut oder auch Algenpräparate.

Bei stärkerem Befall und in Flächenkulturen können ölhaltige Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden. In Flächenkulturen soll unbedingt die Fruchtfolge und Mischkultur beachtet werden. Unter extremen Umständen kann auf Dimethoat (Präparate zum Beispiel Bi 58, Perfekthion, Rogor usw.) als systemischem Pflanzenschutzmittel zurückgegriffen werden.

Gegen Schildläuse gibt es zudem verschiedene Nützlinge, die auf jeweils eine Lausart spezialisiert sind. So ist zum Beispiel gegen Woll- und Schmierläuse im Gewächshaus und Wintergarten der Einsatz australischer Marienkäfer möglich. Weitere natürliche Feinde der Schildlaus sind: Florfliegen, Schwebfliegen, Schlupfwespen, Raubwanzen, Ohrwürmer und Gallmücken. Die genaue Artenbestimmung der Schildläuse durch eine Fachperson wird deshalb empfohlen.

Die Schildlaus als Nützling

Oft wird verkannt, dass Schildläuse nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge sind. Teilweise gehen sie Symbiosen ein mit anderen Tieren oder sogar auch mit dem Menschen.

Schildläuse als Farbstoff

Die Herstellung des intensiv-roten Farbstoffes Karmin aus Schildläusen ist seit der Antike bekannt und war zeitweise von hoher ökonomischer Bedeutung. Im Mittelmeerraum wurde dafür die auf Wurzeln immergrüner Eichen lebende Art Kermes vermilio verwendet. Porphyrophora polonica diente im Mittelalter in Osteuropa als günstigerer Ersatz für Karminrot. Seit der Entdeckung Amerikas wurden beide weitgehend von Cochenille, dem Farbstoff der amerikanischen, nur auf dem Feigenkaktus Opuntia ficus-indica lebenden Dactylopius coccus verdrängt, sie war schon den Azteken bekannt. Der Farbstoff war zeitweise (nach den Edelmetallen Gold und Silber) der drittwichtigste Importgut aus der Neuen Welt[1]; irrtümlich wird stattdessen oft die Art Protortonia cacti (unter ihrem alten Synonym Coccus cacti) als Erzeuger angegeben. Seltener wurde auch die in der Kaukasusregion lebende Porphyrophora hamelii oder die ostasiatische Lackschidlaus Kerria lacca als Karminfarbstoff für Textilien eingesetzt. Als Lebensmittelfarbstoff E 120 ist Karmin/Koschenille heute zum Beispiel in Campari enthalten.

Nutzung als Lack

Die in Süd- und Südostasien beheimatete Lackschildlaus (Kerria laccifera) liefert den Schellack. Die wohl berühmteste Anwendung sind die Schellack-Schallplatten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und das Haarspray. Heute wird es in der Möbelpflege und im Möbelbau, im Musikinstrumentenbau speziell für Geigen und in der Lebensmittelindustrie als Überzugsmittel E 904 zum Beispiel von Schokoladendragees verwendet. (Beziehung: Pflanze → Schildlaus → Mensch)

Nutzung von Wachs

Die männlichen Larven der Chinesischen Wachsschildlaus (Ceroplastes ceriferus, Coccus sinensis) produzieren Pelawachs bzw. Chinawachs, das im Gegensatz zum Bienenwachs unter anderem einen höheren Schmelzpunkt besitzt (82 °C), fast geruchlos ist und sich zum Beispiel zur Herstellung von Kerzen eignet. (Beziehung: Pflanze → Schildlaus → Mensch)

Nutzung des Honigtaus

  • Ameisen: Ihnen dient der Honigtau als Nahrung. Sie melken die Läuse buchstäblich, beschützen diese und tragen zur örtlichen Ausbreitung der Jungläuse bei.

(Beziehung: Pflanze → Schildlaus ↔ Ameise)

  • Wespen: Sie nutzen den kohlehydratreichen Honigtau als Nahrung. Sie tragen zur Bestäubung der Wirtspflanze bei.

(Beziehung: Pflanze → Schildlaus → Wespe → Pflanze)

  • Bienen: Sie sammeln Honigtau und machen daraus Waldhonig, auch Honigtauhonig genannt.

(Beziehung: Pflanze → Schildlaus → Biene → Mensch/Pflanze)

  • Menschen: Die Beduinen verarbeiteten schon in biblischen Zeiten den Honigtau der auf Tamarisken lebenden Sinai-Schildlaus zu Manna und verkauften ihn als Zucker.

(Beziehung: Pflanze → Schildlaus → Mensch)

  • Pflanzen: Einige Wirtspflanzen profitieren von dem auf dem Honigtau wachsenden Schimmelpilz insofern, indem dieser sie vor dem Bewuchs durch Schmarotzerpflanzen schützen kann, wie zum Beispiel Lianen .

(Beziehung: Pflanze → Schildlaus → Pilz → Pflanze)

Schildläuse als Nahrung

  • Vögel und Insekten: Verschiedene Vogel- und Insektenarten haben Schildläuse auf ihrem Speiseplan. Sie spielen somit bei der Bekämpfung von Schildläusen eine Rolle, siehe oben. Manche Schildlausarten hingegen haben dagegen einen Schutz gefunden: Wegen ihrer bitteren Körperflüssigkeit werden sie von ihren Feinden gemieden. (Beziehung: Pflanze → Schildlaus → Vögel/Insekten)

Nutzung in der Homöopathie

  • In der klassischen Homöopathie wird die Schildlaus Coccus Cacti zur Herstellung von Globuli verwendet. Das Mittel wird eingesetzt gegen Spastischen Husten, Keuchhusten und Asthma.

Literatur

  • Bernhard Klausnitzer: Coccina, Schildläuse. In Westheide, Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena 1997; Seiten 654–655.

Einzelnachweise

  1. C.K. Chávez-Moreno, A. Tecante, A. Casas (2009): The Opuntia (Cactaceae) and Dactylopius (Hemiptera: Dactylopiidae) in Mexico: a historical perspective of use, interaction and distribution. Biodiversity and conservation Vol.18 No.13: 3337-3355.

Weblinks

 Commons: Coccoidea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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